Wim Beckwermert

Kölner Stadtanzeiger 29.04.2006

Wenn auswärtige Maler die Räume des Vereins für eine Einzelausstellung nutzen können, dass ist das eher die Ausnahme beim Spektrum Leverkusen, wo normalerweise einzelne Mitglieder im Wechsel ihre Neuigkeiten präsentieren. Durch privaten Kontakt erhielt Wim Beckwermert die Möglichkeit, für drei Wochen eine Lücke in der Ausstellungsfolge zu schliessen. Der Kölner Gast, der Bilder und wenige Skulpturen zeigt, hat eine ausgeprägte eigene Handschrift, die man im Kreis der Mitglieder sicher diskutieren wird. In seinen abstrakten Bildern überwiegen erdige, bräunliche Naturtöne, die in der Regel mit kleinen, deutlich farbigen Anmerkungen aufgebrochen werden. Gleichmässige Untergründe sind dem Gast ein Gräuel.

Wenn er ausnahmsweise auf glatter Leinwand malt, wie im Falle des grössten, zweiteiligen Bildes der Ausstellung, dann sorgt er mit Pinsel, Lappen und Farbschattierungen in vielen Schichten dafür, dass jede Farbfläche aufgebrochen und vom starren Gleichmass befreit wird. Arbeitet er auf Papier, dann auf handgeschöpftem Blättern, das Struktur hat, was bei Beckwermert gleichbedeutend ist mit Lebendigkeit. Damit die unregelmässigen Ränder auch wirklich zur Geltung kommen, hat er alle Blätter mit dicker Pappe unterlegt, so dass sie Abstand zum Untergrund und zum schützenden Glas haben. Die meisten ausgestellten Arbeiten neueren Datums sind auf einem Materialmix entstanden, der die ebenmässige Fläche aufbricht. Dazu verwendet Wim Beckwermert die unterschiedlichsten Fundstücke. Jedes Stückchen Pappe strukturiertes oder besonders dünnes Papier, Holzabschnitte oder Verpackungsmaterial landen bei ihm in einer Kiste, die Fundus und Ideengeber für ein neues Werk ist.

Unregelmässig geschnittene oder gerissene Stücke von Kartonagen und Wellpappe waren nicht selten der Ausgangspunkt für eine Bildkonstruktion, die er zusammenfügte, um sie anschliessend zu Übermalen. Meist mit dünner weisser oder naturfarbener Lasur, die in vielen Schichten aufgetragen unregelmässige Farbflächen schafft. Manchmal sind Schriftzüge, Zeichnungen oder Bilder der benutzten Papiere erkennbar. Auf keinen Fall will er, dass die ursprüngliche Aussage offensichtlich ist. Deswegen wählt er untypische Ausschnitte oder dreht eine Abbildung auf den Kopf. Zum Abschluss Überzeichnet er seine Bilder mit dickem schwarzen Stift und schafft damit die optische Verbindung.

Ausstellung Wim Beckwermert bis 21.Mai 2006 im Spektrum, Leverkusen-Schleebusch

Ausstellung mit Bildern und Skulpturen in der Amtshausgalerie

Unter dem Motto "Alles, nur nicht gleichmässig" wurde am Samstagabend die Ausstellung mit abstrakten Bildern und Skulpturen des Künstlers
Wim Beckwermert aus Köln in der Amtshausgalerie eröffnet. Deren Leiterin, Astrid Wulf, hiess die etwa 30 Besucher willkommen und führte in die Präsentation ein.
Mit einem Walzer von Brahms hatte Jagda Rohleder auf dem Klavier die Vernissage eröffnet. Seit 100 Jahren bestehe die abstrakte Kunst, die inzwischen anerkannt sei, sagte Astrid Wulf. Auf diesen Bildern könne man nichts Gegenständliches sehen, aber es sei erstaunlich, dass Kinder mit abstrakten Bildern überhaupt kein Problem hätten. Man könne sich hineinfinden, wenn man die Energie dazu aufbringe. Auch der Künstler äusserte sich zu seinen Werken, die in drei Räumen zu besichtigen sind. Er hoffe, dass beim Betrachten der Bilder nicht der Eindruck entstehe, als ob sie aus Verzweiflung gemalt worden seien. Sie sollten Freude ausstrahlen.
Näher ging Beckwermert auf seine Arbeitsweise und auf die verwendeten Materialien ein. Er male auf Büttenpapier, Wellpappe und Stoff, trage dann Farbe in drei bis vier Schichten auf - mit einem Pinsel, Spachtel oder Lappen. Um so ein Abbild der Natur lebendig zu gestalten, werde auch wieder Farbe abgetragen. Es müsse eine Spannung, ein Reiz erreicht werden, und zwar auch durch gegensätzliche Materialien.
Dem Betrachter fällt auf, dass erdige, bräunliche Naturtöne mit kleinen farbigen Anmerkungen versehen sind, sodass eine gewollte Unregelmässigkeit erreicht wird. Wie Beckwermert berichtete, sammele er in einer Kiste Abfälle verschiedener Art und verwende sie vor allem auch bei seinen Skulpturen, die ebenfalls kontrastreich bemalt werden. So werden einfache Materialien zu einer einer konstruierten Plastik verbunden. Die Ausstellung ist noch bis 17. Dezember geöffnet, und zwar sonntags von 14 bis 17 Uhr, montags und dienstags nach Rücksprache unter Telefon 0 93 75 / 92 00. >© Fränkische Nachrichten - 27.11.2006